Der Spott über einen Kapitalismus, der keiner ist
8.07.2009
Neiddebatte bei Managern, vorgegeben von SPD, der Linkspartei und teilweise auch den Grünen. „Leute die 250.000 Euro oder mehr im Jahr verdienen“, so heißt es, sind die neuen Bösewichte in unserer Solidargemeinschaft. Von der Gier zerfressene Manager, die ein Vielfaches dessen kassieren, was ihre Arbeitsleistung an Wertschöpfung hergibt. So wird verlautbart in den Kreisen der oben genannten Parteien.
Von Musikern oder Spitzensportlern wie beispielsweise Fußballern ist dort selten bis nie die Rede. Zumindest nicht öffentlich in den Medien, denn kein Politiker von den mehr oder weniger etablierten Parteien würde es wagen zu widersprechen, dass der Fußballheld oder TV-Superstar seines Wählers, die jährliche Millionengage nicht wert sei.
Schimpft derselbe Politiker allerdings über den Vorstandsvorsitzenden der Firma, mit der möglicherweise gar das eigene Anstellungsverhältnisse besteht, dieser könne doch gar nicht das 40-fache vom normalen Facharbeiter leisten, so dass eben auch das 40fache Gehalt gerechtfertigt wäre, dann stimmt das natürlich vollkommen und man nickt nur zustimmend mit dem Kopf. Ein Faktor, der dabei allerdings vor allem von Parteien, die vorgeben sozial gerecht sein zu wollen, unberücksichtigt bleibt, ist die Verantwortung, die mit den üblichen Leistungsaspekten wie Arbeitszeit oder Qualität schwer oder nur bedingt messbar ist.
Manager treffen wöchentlich, täglich, in gewissen Branchen möglicherweise stündlich Entscheidungen, die über den Erhalt oder (Zwangs-)Abbau von vielen Arbeitsplätzen entscheiden können. Und selbstverständlich gibt es hier einige schwarze Schafe. Die gibt es überall. Und natürlich gibt es hier ebenso Leute, die ihre Arbeit gewissenloser machen, als die Kontrollsüchtigen, die aber ebenfalls nicht gern gesehen sind; wer hat schließlich gern ständig seinen Chef im Nacken sitzen? Als Manager bewegt man sich stets auf einem schmalen Grat, auf dem jeder einzelne seine persönliche Balance finden muss, beladen mit einem Haufen Verantwortung. Sei es über 3 Leute, über 10, manchmal über 50 oder 5000 und als Konzernchef auch schon mal über 200.000.
Diese Tatsache wird leider oft außen vorgelassen wenn ursprünglich „arbeitnehmernahe Parteien“ mit ihrer Gewerkschafter-Rhetorik aus den Jahren des Beginns der Industrialisierung bei Wahlkampf-Veranstaltungen ihre populistischen Phrasen dreschen. In Zeiten, in denen noch nicht absehbar war, dass selbst heutige Weltkonzerne einmal mehr als eine dreistellige Personenzahl beschäftigen werden, war es klar, dass niemand das 20-, 40- oder gar 100-fache eines durchschnittlichen Facharbeiters in der Produktion erwirtschaften kann. Das kann auch heute wohl kaum jemand. Doch war damals eben auch die Verantwortung weitaus geringer; und selbst in diesen Zeiten haben Manager bereits nicht schlecht verdient. Quelle? Keine, lediglich ein Gefühl.
Und so wird weiter Wahlkampf gemacht: mit Rhetorik aus dem vergangenen Jahrhundert, in einer Zeit die sich rapide verändert hat, was gut ist, was aber einige etablierte Parteien oft einfach nicht einsehen wollen. So schimpft man lieber weiter publikumswirksam über „Millionäre, [die] zur Kasse“ gebeten werden sollen, obgleich sie mit ihrem hohen Einkommen bereits einen großen Teil zur Gesamtwohlfahrt der Bundesrepublik beisteuern oder man will Besserverdienenden neben einer höheren Spitzensteuer auch gleich noch Zwangsdarlehen für den Staat aufbürden, statt in einer tatsächlich freien Marktwirtschaft eine Chance zum Wohlstand für alle zu sehen.
Der in diesen Tagen viel gescholtene Kapitalismus mag Fehler gemacht haben. Dieser Kapitalismus ist aber, anders als staatlich geregelte, zentralistische Wirtschaftssysteme wie der Sozialismus oder der Kommunismus, auch in der Lage diese Fehler selbst zu korrigieren - wenn man ihn nur lässt. Ein Kapitalismus bei dem der Staat zu sehr oder an den falschen Stellen eingreift und zu steuern versucht, eine grundlegend falsche Ordnungspolitik betreibt, ist kein Kapitalismus im Sinne der sozialen Marktwirtschaft nach der Vorstellung Ludwig Erhards und kann somit schlicht nicht richtig funktionieren.
Und so werden auch Manager weiterhin stets die gleichen Fehler machen wenn diese Fehler mit Milliarden Euro an Steuersubventionen oder Staatsbürgschaften belohnt werden und keinem Manager die Auswirkungen seiner Fehl-Handlungen vor Augen geführt wird, mit allen, gerade auch den haftungsrechtlichen Konsequenzen. Immer dann, wenn der Staat mit Steuergeldern für Managementfehler in die Bresche springt, setzt dieser durch sein Handeln den Kapitalismus in seiner ursprünglichen Form außer Kraft. Was jedoch einige führende Köpfe in den Reihen ehemaliger deutscher Arbeitnehmerparteien dennoch nicht daran hindert, aus dem Kapitalismus einen, um es mit den Worten des Philosophen Peter Sloterdijks zu sagen, „Semi-Sozialismus“ zu machen. Dieser wird dann gern als Marktradikalismus dämonifiziert.
In einem tatsächlich „marktradikalen“ Wirtschaftssystem, wie es unseres, laut der Aussagen mancher Rot-Grüner Spitzenpolitiker ja bereits längst ist, setzt der Staat auf die Selbstheilung von Märkten statt auf Eingreifen des Staates, auf Freiheit und Verantwortung statt Regulierung und Staatseingriffe. Verschwindet ein großes Unternehmen durch Misswirtschaft vom Markt, so nehmen mehrere kleinere Unternehmen die freigewordenen knappen Ressourcen für sich in Anspruch. Dort wo tatsächlich Nachfrage ist, entsteht auch Angebot, dort wo Angebot entsteht, wird Arbeit geschaffen.
Friedrich Merz hat diese Problematik in seinem Buch „Mehr Kapitalismus wagen“ durchaus sehr treffend beschrieben und erntete dafür teils vernichtende Kritik, wie ein Buch mit einem solchen Titel zu einer solchen Zeit veröffentlicht werden könne. Und entgegen all der Kritik: der Zeitpunkt der Veröffentlichung hätte richtiger nicht sein können. Mit einer Politik die auf die selbstheilenden Kräfte der Marktwirtschaft vertraut, wären Unternehmen wie Opel und Arcandor in einem geordneten Insolvenzverfahren, Schiesser und Schäffler ebenfalls. Sollte es für diese Unternehmen tatsächlich eine Zukunft geben, also Nachfrage für deren Produkte bestehen, so würden sie diese Zukunft, wieder erstarkt, für sich ergründen und fortan stärker am Markt agieren können, als dies in den letzten Jahren der Fall war.
Mit denjenigen, die dabei dennoch durch Personalabbau auf der Strecke geblieben sind, wäre es zudem ein Ansporn, neue Technologien zu erforschen, bis zur Marktreife zu entwickeln und in der globalisierten Welt erfolgreich zu vertreiben. Denn nicht selten sind die betroffenen Leute jung, motiviert und gut ausgebildet und dem Sozialplan zum Opfer gefallen. Und zum Kapitalismus gehört ebenso der Mut, bestehende Märkte nicht nur neu zu erschließen, sondern Märkte im Idealfall auch neu zu erschaffen wenn die alten Felder abgegrast sind. Mit etwas Mut zum Unternehmertum, einer nachhaltigen Politik und einer Mentalität des „Anpackens“, nicht der Schwarzmalerei, ist dieses Szenario kein unrealistisches.
Doch dieses Prinzip der funktionierenden Marktwirtschaft scheint in der aktuellen Regierung offenkundig maximal unser Bundes-Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg begriffen zu haben. Und er wird dafür von Parteien kritisiert, die sich, laut eigener Aussagen, für die Schaffung von Arbeitsplätzen einzusetzen. Eine Farce!




























